Wirtschaftsprüfung für Unternehmen (KMU)

Wirtschaftsprüfung für Unternehmen

Gesetzlich vorgeschriebene Prüfungen durch einen Wirtschaftsprüfer

Kapitalgesellschaften (GmbH, AG) sowie den Kapitalgesellschaften gleichgestellte Personenhandelsgesellschaften i.S.d. § 264a HGB (beispielsweise GmbH & Co. KG) unterliegen zum Teil einer gesetzlichen Verpflichtung zur Vornahme einer Jahresabschlussprüfung.

Die Verpflichtung zur Jahresabschlussprüfung richtet sich nach den Größenkriterien des § 267 HGB. Es sind nur solche Gesellschaften zur Jahresabschlussprüfung verpflichtet, die als mittelgroße oder als große Kapitalgesellschaft eingestuft sind.

Mittelgroße und große Kapitalgesellschaften sind solche Gesellschaften, die zwei der drei nachstehenden Merkmale an zwei aufeinanderfolgenden Bilanzstichtagen überschreiten. Wichtig ist, dass auch dann Prüfungspflicht eintritt, wenn an zwei Bilanzstichtagen jeweils zwei unterschiedliche Merkmale überschritten sind.

 

 
Mittelgroß
Groß
Bilanzsumme
  6.000.000 €
20.000.000 €
Umsatzerlöse
12.000.000 €
40.000.000 €
Durchschnittliche Mitarbeiter
50
250

 

Beispiel: Die X-GmbH:

Im Jahr 1 beträgt die bereinigte Bilanzsumme EUR 5.800.000, die Umsatzerlöse betragen EUR 9.800.000 und es wurden im Jahresdurchschnitt 48 Mitarbeiter beschäftigt.

Im Jahr 2 beträgt die bereinigte Bilanzsumme EUR 6.500.000, die Umsatzerlöse betragen EUR 10.500.000 und es wurden im Jahresdurchschnitt 52 Mitarbeiter beschäftigt.

Im Jahr 3 beträgt die bereinigte Bilanzsumme EUR 5.800.000, die Umsatzerlöse betragen EUR 13.000.000 und es wurden im Jahresdurchschnitt 53 Mitarbeiter beschäftigt.

Im Jahr 2 waren zwei der drei Merkmale einer mittelgroßen Kapitalgesellschaft erstmals überschritten (Bilanzsumme und Mitarbeiterzahl). Im Jahr 3 waren ebenfalls zwei der drei Merkmale einer mittelgroßen Kapitalgesellschaft überschritten (Umsatzerlöse und Mitarbeiterzahl).

Fazit: Für das Jahr 3 besteht eine gesetzliche Verpflichtung zur Jahresabschlussprüfung durch einen Wirtschaftsprüfer oder vereidigten Buchprüfer.

 

Abschlussprüfung bei neu gegründeten Unternehmen

Wurde ein Unternehmen neu gegründet und überschreitet das Unternehmen bereits am ersten Bilanzstichtag zwei von drei der oben genannten Kriterien, so tritt die Prüfungspflicht bereits im ersten Jahr ein.

 

Abschlussprüfung bei kapitalmarktorientierten Unternehmen

Zu beachten ist ferner, dass kapitalmarktorientierte Kapitalgesellschaften i.S.d. § 264d HGB stets als große Kapitalgesellschaften einzustufen sind. Kapitalmarktorientierte Unternehmen müssen eine Jahresabschlussprüfung durchführen lassen. Kapitalmarktorientiert ist ein Unternehmen dann, wenn Wertpapiere i.S.d. § 2 Abs. 1 Wertpapierhandelsgesetz ausgegeben wurden oder ein Handel am organisierten Markt beantragt wurde. Der Freiverkehr zählt nicht zum organisierten Markt.

 

Freiwillige Jahresabschlussprüfung

Viele Unternehmen beauftragen einen Wirtschaftsprüfer mit einer Jahresabschlussprüfung, obgleich keine gesetzliche Verpflichtung hierzu besteht. Es liegt dann eine freiwillige Jahresabschlussprüfung vor. Die freiwillige Jahresabschlussprüfung unterscheidet sich von einer gesetzlichen Jahresabschlussprüfung in Durchführung und Berichterstattung nur in wenigen Details.

Die Motivation zur Durchführung einer freiwilligen Jahresabschlussprüfung ist vielfältig. Exemplarisch lassen sich folgende Aspekte nennen:

  • Gesellschaftsvertragliche Verpflichtung
  • Rechtssicherheit im Zusammenhang mit der steuerlichen Anerkennung von Gewinnabführungsverträgen / körperschaftsteuerlichen Organschaften
  • Rechenschaftspflicht für Minderheitsgesellschafter
  • Größere Rechtssicherheit / Gewissheit über Rechnungslegung bei Gesellschafter-Geschäftsführern
  • Überwachung des Fremdgeschäftsführers
  • Verpflichtung aus Kreditnebenbedingungen aus Darlehensverträgen 

Bei Fragen rund um gesetzliche oder freiwillige Jahresabschlussprüfung erreichen Sie uns gerne per E-Mail, Telefon oder über das Kontaktformular.