Kalamitätsnutzung

Steuerermäßigung bei außerordentlichen Holznutzungen in der Forstwirtschaft

Die Steuerermäßigung für außerordentliche Holznutzung gem. § 34b EStG ist eine sinnvolle und effektive Steuererleichterung für Forstwirte bei außergewöhnlichen Naturereignissen.

1. Holznutzung in Folge höherer Gewalt | Was ist damit gemeint?

Holznutzung in Folge höherer Gewalt, auch Kalamitätsnutzung genannt, meint auf Grund von Naturereignissen notwendige Einschläge (sog. Kalamitätsfolgehiebe).

Als Naturereignis bezeichnet man gem. § 34b Abs. 1 Nr. 2 EStG z.B.

  1. Eisbruch
  2. Schneebruch
  3. Windbruch
  4. Windwurf
  5. Erdbeben
  6. Bergrutsch
  7. Insektenfraß
  8. Brand

Ebenfalls begünstigt nach § 34b EStG sind folgende vergleichbare Naturereignisse:

  1. Duftbruch infolge Überbelastung mit Raureif oder Schnee
  2. Dürre
  3. Trockenheit
  4. Buchenschleimfluss
  5. Eichenbaumschwamm
  6. Rotfäule
  7. Weißfäule
  8. Andere infektiöse Krankheiten gem. Urteil des Bundesfinanzhofs vom 24.8.1961:
  9. Baumrindenschäden durch Hagelschlag oder Rotwild
  10. Käferbefall oder sonstiger Schädlingsbefall
  11. Hochwasser
  12. Lawinen
  13. Schneedruck
  14. Hagel
  15. Wolkenbruch

Beispiel Außerordentliche Holznutzung § 34b EStG bei Käferholz:

Im Raum Oberbayern macht sich ein Schädling breit, der Borkenkäfer (Borkenkäfer sind die gefährlichsten Schädlinge in der Forstwirtschaft). Der Borkenkäfer findet in durch Windwurf, Schneebruch oder Immissionen geschwächten Nadelbäumen Brutstätten und es kommt hierbei zur unerwünschten Massenvermehrung (Kalamität).

Um dies zu verhindern, wurde vorsorglich ein Präventivschlag zur Abwehrung der drohenden Kalamität durchgeführt.

Naturereignisse im Sinne des § 34b EStG stehen außerdem gleich:

  1. Saurer Regen
  2. Immissionseinflüsse infolge von Wasserverunreinigung, Erdreichverunreinigung, Luftverunreinigung

Bei Schäden infolge von Immissionen ist zu unterscheiden, welcher Schadensstufe diese zuzuordnen sind.

Sind Präventiveinschläge zur Abwendung einer drohenden Kalamität notwendig, sind diese ebenfalls begünstigt nach § 34b EStG. Unter Präventiveinschläge ist die Ausbreitung von Waldbränden, Insekten oder anderen Schädlingen gemeint.

Keine Begünstigung nach § 34b EStG ist möglich, wenn an bereits geschlagenen Holz Schäden auftreten.

2. Was ist begünstigt nach § 34b EStG?

Liegen die Voraussetzungen für die Kalamitätsnutzung vor, ist der Verkauf des geschlagenen Holzes begünstigt.

Weiter ist auch die (teilweise) Entnahme für private Zwecke nach § 34b EStG begünstigt.

3. Ermittlung der begünstigten Einkünfte

Die Ermittlung der nach § 34b EStG begünstigten Einkünfte aus außerordentlichen Holznutzungen hat sich seit dem Jahr 2012 extrem vereinfacht. Die Begünstigung des § 34b EStG gilt unabhängig von der Gewinnermittlungsart. Bei Forstwirten ist die Gewinnermittlung in § 13 EStG bzw. § 13a EStG geregelt.

Das Wirtschaftsjahr der Kalamitätsnutzung kann vom Jahr der Gewinnrealisierung abweichen. Denkbar sind auch mehrere Jahre, in denen Gewinne realisiert werden. Der Zeitpunkt der Gewinnrealisierung ist für die Begünstigung des § 34b EStG nicht maßgebend.

Die Begünstigung des § 34b EStG für Kalamitätsnutzungen ist bei unbeschränkter und beschränkter Steuerpflicht möglich. Auch beschränkt Steuerpflichtige können § 34b EStG geltend machen; jedoch ist auf die Einhaltung des Verwaltungsweges zu achten. Siehe hierzu auch Vorlagen am Ende des Textes.

Ermittlung der begünstigten Einkünfte:

  1. Saldierung der Einnahmen aus ordentlicher (gewöhnlicher) Holznutzung und außerordentlicher Holznutzung (Kalamitätsnutzung)

  2. Abzug sämtlicher Betriebsausgaben, egal ob mit ordentlicher oder außerordentlicher Holznutzung in Zusammenhang stehend

  3. Das Ergebnis ist in % auf die ordentlichen und außerordentlichen Holznutzungen aufzuteilen.

Bei der Gewinnermittlungsart Betriebsvermögensvergleich nach § 4 Abs. 1 EStG ist die im Wirtschaftsjahr veräußerte Holzmenge maßgebend. Bei der Gewinnermittlungsart nach § 4 Abs. 3 EStG (Überschuss Betriebseinnahmen über Betriebsausgaben) ist von der Holzmenge auszugehen, die den im Wirtschaftsjahr zugeflossenen Einnahmen zugrunde liegen.

3.1. Steuerermäßigung von 50% gem. § 34b EStG bei Kalamitätsnutzung

Folgende Voraussetzungen sind zu erfüllen, wenn die Hälfte des durchschnittlichen Steuersatzes angewendet werden soll.

(1) Der Kalamitätsschaden ist unverzüglich an das zuständige Finanzamt zu melden (Voranmeldung) und nach Aufarbeitung ist eine tatsächliche Schadensmeldung abzugeben. Hierbei ist der Waldort (Revier, Abteilung, Gemarkung oder Flurnummer) zu nennen, ebenso wie die tatsächliche Schadensmenge, aufgeteilt nach Holzart. Außerdem ist die Wiederaufforstungsfläche in ha und die Schadensursache zu nennen.

Die entsprechenden Meldeformulare finden Sie hier auf dieser Seite.

(2) Die veräußerten (oder zu privaten Zwecken entnommenen) Holzmengen müssen getrennt nach ordentlichen (nach § 13 EStG bzw. 13a EStG normal zu versteuernden) und außerordentlichen Holzmengen aufgezeichnet werden. Die Aufzeichnung ist wesentlich, um die Begünstigung nach § 34b EStG für die Kalamitätsnutzung in Anspruch nehmen zu können.

3.2. Steuerermäßigung von 75% gem. § 34b EStG bei Kalamitätsnutzung

Soll die Steuerermäßigung von einem Viertel des durchschnittlichen Steuersatzes in Anspruch genommen werden, sind zusätzlich folgende Voraussetzungen zu erfüllen:

(1) Die außerordentliche Holznutzung (Kalamitätsnutzung) muss den Nutzungssatz übersteigen. Der Nutzungssatz ist nach § 68 Abs. 1 EStDV periodisch auf zehn Jahre durch die Finanzbehörde festgesetzt. Er muss nach § 68 EStDV den Nutzungen entsprechen, die unter Berücksichtigung der vollen Ertragsfähigkeit des Waldes in Kubikmetern (Festmetern) nachhaltig erzielbar sind.

(2) Nach § 68 EStDV ist die Berechnung des Nutzungssatzes in einem Forstwirtschaftsplan durch die Finanzbehörde festzusetzen.

Für Betriebe mit weniger als 50 ha forstwirtschaftlich genutzter Fläche ist eine Vereinfachungsregelung möglich. Kleine forstwirtschaftliche Betriebe mit weniger als 50 ha forstwirtschaftlich genutzter Fläche können auf die Feststellung des Nutzungssatzes verzichten. Es wird ein Nutzungssatz von 5,0 Erntefestmeter o. R. je Hektar zugrunde gelegt.

3.3. Kalamitätsfolgehiebe

Unter Umständen sind die nach der Kalamität stehen gebliebenen Bestandsreste aus fortwirtschaftlichen Gründen zu schlagen (sog. Kalamitätsfolgehiebe). Hierbei handelt es sich insbesondere um noch nicht hiebsreife Bestände, ursprünglich erst in einigen Jahren zu schlagen. Werden diese nach der Kalamität stehen gebliebenen Bestände unplanmäßig geschlagen, kommt eine Begünstigung nach § 34b EStG in Betracht (Kalamitätsnutzung). Wichtig hierbei: nur am noch stehenden Bestand ist zu beurteilen, ob der Einschlag forstwirtschaftlich notwendig war. Der beabsichtigte Einschlag muss also, um die Ermäßigung nach § 34b EStG in Anspruch nehmen zu können, vier Wochen vor dem beabsichtigten Einschlag mit Mitteilung an das Finanzamt gemeldet werden. Bei verspäteter Meldung ist eine Anerkennung als Kalamitätsnutzung nicht mehr möglich.

Wie bei der Kalamitätsnutzung muss der Nachweis der Kalamitätsfolgehiebe unmittelbar nach Kenntnis der tatsächlichen Schadensmenge erfolgen.